fem. antifa. KO [Gö&U]

2016/06/09

Kein ruhiges Hinterland: Auf nach Dransfeld!

Filed under: General — Feministische & antifaschistische Koordination [Gö&U] @ 16:50

Der völkischen Rechten die Basis entziehen!

+++ +++Dransfeld 11. Juni 2016+++Demo gegen die Nazis des “Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen”+++Busse aus Göttingen um 12.30h ZOB (Bahnhof) +++ Tickets gibt’s für 4€ im Roten Buchladen und im TKeller+++

Seit Ende 2015 geistert ein völkischer Zusammenhang durch die Region: Nachdem zunächst ein Burschenschafter und AfD-Mitglied einen wöchentlichen „Mahnwachenmarathon“ mit bürgerlichem Anstrich angemeldet hatte, tritt nun deutlich zu Tage: Der „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ (FKTN) ist ein Haufen offen auftretender Neonazis. Nachdem der FKTN erkennen musste, dass seine größenwahnsinnige Potenzfantasie sich organisatorisch nicht aufrecht erhalten ließ und die antifaschistischen Gegenproteste von Zivilgesellschaft und radikaler Linker ihren Teil dazu beitrugen, dass die TeilnehmerInnenzahl stagnierte, wurde er dazu gezwungen, seine Aktionsformen zu ändern: Jetzt tritt er bevorzugt spontan auf, hält monatlich Kundgebungen ab oder hängt Transparente an Autobahnbrücken. Am 21.5. wagte sich der FKTN gar in die linke Hochburg Göttingen. Nicht ohne massive Gegenwehr. Und auch in Dransfeld werden sie nicht ungestört bleiben!

Der „Freundeskreis“ zeigt alle Merkmale der völkischen Rechten: Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Antifeminismus sind feste Bestandteile seiner Ideologie. Ein Blick auf seine Facebook-Seite verdeutlicht ein hohes Maß an Menschenverachtung – diese gilt es zu bekämpfen: in Dransfeld, Duderstadt, Göttingen, überall!

Aggressiv und wahnhaft männlich

Die Nazis vom „Freundeskreis“ propagieren das Ideal wehrhafter Männlichkeit. Männlich ist für sie nur, wer bereit ist, sich der Gemeinschaft unterzuordnen, sich für „Volk und Vaterland“ aufzuopfern, Härte gegen sich selbst und andere zu zeigen und sich empathiebefreit, aggressiv und gewalttätig zu jeder Zeit im Kampf gegen die politischen GegnerInnen zu beweisen. So waren für die Männer des FKTN die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln nicht in erster Linie Ausdruck patriarchaler Gewalt, sondern ein Angriff auf „deutsche Männer“, auf ihre Männlichkeit, ihre Ehre und nicht zuletzt auf Deutschland. Die sexuellen Übergriffe waren ihrer Ansicht nach überhaupt nur durch die „Kapitulation der Staatsmacht“ möglich. Enttäuscht vom Staat sehen sie nun ihre Aufgabe darin, den Schutz „deutscher Frauen“ vor „fremden Männern“ und das „Schicksal der Nation selbst in die Hand zu nehmen“.

Der FKTN reiht sich damit ein in eine rechte antifeministische Konjunktur, die sich momentan in Deutschland bemerkbar macht. So hatte z.B. der Thüringer Landesvorsitzende der AfD, Björn Höcke, bereits im November 2015 in Erfurt verdeutlicht: Deutschland und Europa hätten „ihre Männlichkeit verloren“. Diese müsse wiedergewonnen werden – „dann sind wir wieder wehrhaft“. Als bekennende Höcke-Fans und TeilnehmerInnen an den Demonstrationen in Erfurt, feiern die „Freundeskreis“-Nazis die gleiche Vorstellung: Nur eine Rückkehr „wehrhafter Männlichkeit“ kann in diese Logik Deutschland wieder zu „alter Größe“ verhelfen. Diesem widerlichen Ideal gilt es, sich entgegen zu stellen! Immer und überall!

Auch die Familie als kleinste Einheit des „Volkes“ will der „Freundeskreis“ schützen, daher auch der Slogan „Familie – Heimat – Zukunft“ und die Widmung seines Kampfes für die „Kinder und Kindeskinder“. Für den FKTN sind deutsche Frauen und Kinder auf die Funktion reduziert, den Fortbestand des „deutschen Volkes“ zu garantieren. So muss auch der „Freundeskreis“ und seine AnhängerInnen – als quasi extended family – in dieser Weltsicht beschützt werden. Deshalb droht er auf Facebook unverhohlen: „Es ist kein Geheimnis, dass diverse Rocker Clubs, Hooligans und andere Vollkontaktbegeisterte in großer Zahl zu unseren engsten Vertrauten gehören und uns zum Schutze unserer Lieben jedes Mittel recht ist.“ Was der „Freundeskreis“ mit „unsere Lieben“ meint, wird deutlich, wenn man sich anschaut, was der Zusammenschluss emotional für seine AnhängerInnen bedeutet. So sehen sie im FKTN „eine Gemeinschaft, in der das Gesamtwohl über dem Einzelnen steht“, in der Werte, wie „Freundschaft, Zusammenhalt, Geborgenheit und Gemeinschaft“ einen Gegenentwurf zur „kaputten Konsumwelt“ bilden und „etwas Großes, etwas Stabiles, etwas Echtes“ für Deutschland und Europa aufgebaut werden kann. Einer pluralistischen Gesellschaft setzen sie eine homogene Gemeinschaft gegenüber, in der die_der Einzelne nichts zählt. Dass diese Gemeinschaft immer rassistisch und sexistisch gedacht ist, liegt dabei auf der Hand. Hier geht um nichts anderes als den ekligen Kitt, der sich „Volksgemeinschaft“ nennt!

Wer will schon ein Handtuch sein?

Ihre politischen Gegner_innen müssen die Nazis vom FKTN immer wieder massiv abwerten, um deutlich zu machen, wer ihren Vorstellungen nach nicht zur „Volksgemeinschaft“ zählt. Hieran lässt sich besonders deutlich ihre ideologische Verrohung und ihr menschenverachtendes Weltbild ablesen. Auch sagt es viel über ihre eng mit der „Volksgemeinschaft“ verknüpften Männlichkeits- und Weiblichkeitsvorstellungen: Sie selbst sehen sichals heldenhafte Männer; Frauen sind für sie schwach und fürs Kinderkriegen da.

Da die Vorstellung einer wehrhaften Männlichkeit beim FKTN Dreh- und Angelpunkt ist, werten seine Mitglieder Linke stets als „unmännlich“ ab: „Hinter dem Freundeskreis stehen viele, starke Patrioten, welche verweichlichte, spätpubertierende Bübchen wie euch, nicht mal als Gegner, geschweige denn als Männer wahrnehmen.“ Durch „Verweiblichung“ des Gegners versuchen sie, ihre eigene Potenzvorstellung zu vergrößern: Doch jedes Mal seid ihr gerannt wie kleine Mädchen, als ihr spürtet wie wehrhaft wir sind!“ Frauen als politische Gegnerinnen kommen in dieser Vorstellung nicht vor, sie dienen lediglich zur Aufwertung der eigenen Person: „Stört es euch so sehr, dass eure Frauen und Töchter auf markante, starke, deutsche Männer stehen? Liebe Linke, aus einem Lappen wird eben kein Handtuch!“ Seriously?! Linke Männer – so die Logik hinter dem kruden Geschwafel – seien „verweichlichte Kinder“, die keine Frauen „abbekämen“ und deshalb die „Patrioten des Freundeskreis“ angreifen würden, um sie daran zu hindern eine Stimme für Deutschland zu ergreifen.“ Hier zeigen sich tiefe Abgründe: Geltungsdrang, übersteigerte Männlichkeit und Misogynie als Bodensatz des völkischen Nationalismus.

Verschwörungsideologischer Schlonz

Eine Stimme für Deutschland zu ergreifen,“ meint für den FKTN immer auch, sich gegen eine angebliche linke gesellschaftliche Übermacht, „linken Meinungsfaschismus“, die „Systempresse und linke Medien“ sowie „Politikermarionetten“, die als „transatlantisch hörige Verräter“ bezeichnet werden, durchzusetzen. Dazu gehören „SPD-Leute Hand in Hand mit Altkommunisten und grünen Vaterlandsverrätern“ sowie „die Antifa“ als angeblich vom Staat bezahlte „Straßenterroristen“.

Dazu passt auch, dass die Nazis vom „Freundeskreis“ immer und überall geheime Pläne hinter gesellschaftlichen Erscheinungen ausmachen: So befürchten sie angesichts der derzeitigen globalen Fluchtbewegungen eine geplante „Umvolkung“, der sie ein „Europa der Vaterländer“ entgegen setzen. Die Schuldigen dafür haben sie auch schon ausgemacht: indem sie sich auf den „Kalergi-Plan“ beziehen. Dabei handelt es sich um eine antisemitische Verschwörungstheorie, die zur Zeit unter VerschwörungsideologInnen sehr angesagt ist: Sie gehen davon aus, es gäbe Pläne zur „Vernichtung der Deutschen“ die sie auf Coudenhove-Kalergi zurückführen, der sich in den 1920ern und 30er gemeinsam mit jüdischen Intellektuellen für ein „Pan-Europa“ aussprach. Dies besteht für die VerschwörungstheoretikerInnen einerseits bereits in Form der EU, andererseits sei die „künstlich herbeigeführte Masseneinwanderung“ Teil des „Ethnozids an den Deutschen“.

Antisemitismus zeigt sich beim „Freundeskreis“ auch in Kombination mit Antiamerikanismus, womit sie ganz nah an den Themen von Montagsmahnwachen, PEGADA und ENDGAME sind: „Raus aus der NATO – Schluss mit dem Morden für USraelische Interessen!“ Diesen Zielen der „Mächtigen“ setzen sie ihre „Kritik“ gegenüber, sich selbst sehen sie gerne als die Verteidiger der „Wahrheit“ und des „Normalen“, die trotz aller Widrigkeiten an der Erweckung der „Schlafschafe“ arbeiten. Dies sei aber nur zu erreichen – und hier drückt sich ein völkischer Querfront-Gedanke aus – wenn die „unterschiedlichen politischen Meinungen“, Zugehörigkeiten zu Parteien und Organisationen beiseite gelassen würden und nicht mehr länger auf „Differenzen“, sondern auf das „gemeinsame“ Verbindende geschaut würde. Denn wenn es um die „Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder“, unserer „Heimat und unseres Volkes“, oder den drohenden „Untergang Deutschlands und Europas“ geht, dann könne man es nur in einem gemeinsamen „patriotischen Widerstand“ schaffen. Wir sagen: Gegen jeden Antisemitismus!

Völkischem Hass entgegentreten!

Das inhaltliches Programm des „Freundeskreis“ enthält mittlerweile Versatzstücke sämtlicher aktueller völkischer Bewegungen in Deutschland: die Verschwörungsideologien und den völkischen Antikapitalismus von Montagsmahnwachen, PEGADA und Endgame,den (pseudo-geschichtsträchtigen) Elitarismus von Burschenschaften undNeuer Rechter, den Antifeminismus organisierter Männerrechtler oder der „Demo für alle“, kombiniert mit dem Auftreten von PEGIDA, Bürgerwehren und militanten Neonazis.

Der FKTN knüpft an die bundesweite Stimmung an, in der brennende Flüchtlingsunterkünfte zur täglichen Realität geworden sind, allerorts Aufmärsche von Pegida, Bürgerwehren und Nazis stattfinden und sich der Rechtsruck längst auch in Medien und Gesetzgebung bemerkbar macht.

Auf nach Dransfeld! Völkischen Umtriebe bekämpfen!

Für entschlossene feministische und antifaschistische Intervention!

Beteiligt euch an den Protesten und Blockaden!

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